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Sind wir die Ursache für die seelischen Probleme unserer Kinder?

Immer mehr Eltern stellen sich die Frage, ob ihr Kind eine Therapie benötigt. Doch wie sehr beeinflussen wir als Erwachsene die seelische Gesundheit unserer Kinder?

Von Sophie Lange16. Juli 20264 Min Lesezeit
Aktueller Stand

Immer mehr Eltern stellen sich die Frage, ob ihr Kind eine Therapie benötigt. Doch wie sehr beeinflussen wir als Erwachsene die seelische Gesundheit unserer Kinder?

Ich erinnere mich an den Tag, an dem meine Tochter, sie war gerade sieben, mich mit großen Augen ansah und fragte: "Warum bin ich nicht wie die anderen Kinder?" An diesem Tag fühlte ich mich plötzlich wie ein Versager. Hatte ich etwas übersehen? War ich schuld, wenn sie sich anders fühlte? Es ist eine Frage, die sich viele Eltern stellen: Muss mein Kind zur Therapie? Und noch viel tiefer: Machen wir unsere Kinder psychisch krank?

Wenn man sich umschaut, scheint die Anzahl der Kinder, die therapeutische Unterstützung benötigen, zu steigen. In der Schulzeit gab es immer mal Kinder, die „ein bisschen anders“ waren. Aber heute? Kinder sehen sich mit einem ganzen Spektrum von Emotionen und Herausforderungen konfrontiert, die wir nicht einfach ignorieren können. Hat das mit dem Druck zu tun, den wir auf sie ausüben? Oder sind wir selber die Ursache ihrer Sorgen?

Du hast vielleicht selbst Bemerkungen gehört, wie: "Kinder sind so empfindlich geworden." Das mag wahr sein, aber wenn wir genauer hinschauen, bemerken wir oft, dass diese Empfindlichkeit ein Spiegelbild dessen ist, was um sie herum passiert. Ich merke, wie mein eigenes Kind auf Nachrichten reagiert, die ich selbst als Erwachsene schwierig verarbeite. Die ständige Erreichbarkeit, der Druck, immer perfekt zu sein und die sozialen Medien tragen dazu bei, dass unsere Kinder ständig in einem Wettlauf stehen.

Es ist nicht nur die äußere Welt, die unsere Kinder belastet. In vielen Familien gibt es auch einen emotionalen Druck, der oft unbewusst erzeugt wird. Wir Eltern wollen das Beste für unsere Kinder, aber manchmal äußert sich das in übertriebenen Erwartungen. Wenn ich von der Schule nach Hause komme und meine Tochter mir sofort ihre Noten zeigt, spüre ich, wie mein Herz schneller schlägt. Sie hofft, dass ich sie lobe, aber was passiert, wenn die Noten nicht stimmen?

In diesem Moment frage ich mich: Was mache ich mit meinem Kind? Ich möchte, dass sie sich sicher und geliebt fühlt, nicht bewertet. Aber wie oft mache ich den Fehler, ihr das Gefühl zu geben, sie müsse leisten, um geliebt zu werden? Und das ist der Punkt, an dem ich darüber nachdenke, ob eine Therapie helfen könnte.

Wenn wir über Therapie nachdenken, gehen wir oft davon aus, dass es eine einzige Art von Therapiesitzung gibt, die für alle Kinder funktioniert. Aber das ist nicht der Fall. Jedes Kind ist ein Individuum mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. Einige Kinder profitieren von Gesprächen mit einem Therapeuten, während andere durch kreative Ausdrucksformen oder Gruppensitzungen den Zugang zu ihren Emotionen finden.

Hast du dich schon einmal gefragt, wie du deine Kinder unterstützen kannst, ohne sie zu überfordern? Es kann so einfach sein, Zeit mit ihnen zu verbringen, zuzuhören und ihren Ängsten und Nöten Raum zu geben. Wenn meine Tochter mir von ihren Ängsten erzählt, versuche ich, einfach da zu sein. Sie braucht kein Urteil, sondern einen Raum, um zu wachsen und sich selbst zu entdecken.

Ich beobachte oft, wie andere Eltern mit ihren Kindern umgehen und kann nicht anders, als zu bemerken, wie viel von unseren eigenen Unsicherheiten wir unbewusst an sie weitergeben. Wenn wir gestresst sind, zeigen wir das in unserer Körpersprache und unseren Reaktionen. Unsere Kinder spüren das. Sie denken: "Wenn Mama oder Papa gestresst sind, gibt es keinen sicheren Raum für mich."

Es ist ein schmaler Grat, auf dem wir uns bewegen. Wir lieben unsere Kinder und möchten, dass sie glücklich sind. Aber um dies zu erreichen, müssen wir auch lernen, uns selbst nicht so ernst zu nehmen. Vielleicht müssen wir uns selbst die Erlaubnis geben, Fehler zu machen, um unseren Kindern zu zeigen, dass es in Ordnung ist, nicht perfekt zu sein. Und vielleicht bedeutet das, dass wir offen dafür sind, Hilfe und Unterstützung in Anspruch zu nehmen, wenn wir sie brauchen.

Die Frage, ob unser Kind Therapie benötigt, ist komplex. Sie ist nicht nur eine Frage der Symptome, sondern vielmehr eine Frage unserer Beziehung zu unseren Kindern und der Welt, in der wir leben. Vielleicht ist die wahre Herausforderung nicht nur, unseren Kindern zu helfen, sondern auch uns selbst zu reflektieren und zu lernen, wie wir in diesem ständigen Wandel der Ansprüche und Erwartungen existieren können.

Wenn du darüber nachdenkst, ob dein Kind professionelle Hilfe braucht, nimm dir Zeit, um die Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Es ist kein Zeichen des Versagens, sondern ein Schritt zur Selbstfürsorge. Und manchmal ist das, was unsere Kinder wirklich brauchen, einfach ein offenes Ohr und die Freiheit, sie selbst zu sein – nicht die perfekte Version, die wir uns manchmal wünschen.

Am Ende sind wir alle auf der Suche nach einem kleinen Stück Frieden, und vielleicht ist es nicht zu viel verlangt, unsere Kinder bei dieser Suche zu unterstützen, während wir gleichzeitig lernen, wie wir selbst in dieser verrückten Welt gelassen bleiben können.

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